Dienstag, 12. Dezember 2017
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'Nach achtmonatigem Kurs nicht gleich 40-Tonner prüfen' – Interview mit Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk

Mittwoch, 03.07.2013 15:39
Schon seit längerem treibt das Thema 'Meister-HU' die Branche um. Falls sich der ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) mit seinem Konzept pro Meister-HU durchsetzt, würden nicht nur Kfz-Werkstätten profitieren, sondern auch Reparaturbetriebe für Nutzfahrzeuge. Denn anders als beim TÜV, wo der Kfz-Prüfer gleichzeitig Lkw und Motorräder unter die Lupe nimmt, soll nach dem Willen des ZDK der Lkw-Mann Lkw prüfen und der Pkw-Mann Pkw.
Hauptuntersuchung bei Lkw: Nach dem Willen des ZDK sollen dies künftig auch Kfz-Meister in Nutzfahrzeugwerkstätten übernehmen können.

Hauptuntersuchung bei Lkw: Nach dem Willen des ZDK sollen dies künftig auch Kfz-Meister in Nutzfahrzeugwerkstätten übernehmen können.

Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk: 'Ich bin sicher, dass der Kfz-Meister, der frisch von der Schulbank kommt, einen solchen Lkw aufgrund seiner Praxiserfahrung sofort prüfen kann. Schließlich macht er das schon heute, beispielsweise bei der Sicherheitsprüfung für Lkw.'

Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk: 'Ich bin sicher, dass der Kfz-Meister, der frisch von der Schulbank kommt, einen solchen Lkw aufgrund seiner Praxiserfahrung sofort prüfen kann. Schließlich macht er das schon heute, beispielsweise bei der Sicherheitsprüfung für Lkw.'

KRAFTHAND-Truck hat bei Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des ZDK, nachgefragt.

Herr Hülsdonk, warum sollen Kfz-Werkstätten nach Meinung des ZDK die HU künftig selbst durchführen können?

Wir möchten unseren Kfz-Betrieben diese Chance eröffnen, weil die hoch qualifizierten Kfz-Meister dazu in der Lage sind. Zudem hat der europäische Verkehrskommissar Siim Kallas im August vergangenen Jahres ein Papier vorgelegt, in dem Werkstätten und die Kfz-Meister quasi gleichrangig neben den Prüforganisationen stehen. Da können wir als Verband nicht sagen, das interessiert uns nicht. Es gibt Beispiele aus anderen Ländern, etwa aus den Niederlanden, wo die Meister-HU hervorragend funktioniert. Warum also nicht bei uns? 

Der Prüfingenieur beispielsweise beim TÜV oder bei der Dekra braucht eine Zusatzausbildung, um die HU abnehmen zu können. Braucht dies der Werkstattmeister dann auch?

Ja, eine Zusatzausbildung ist für den praxiserfahrenen Kfz-Meister notwendig. Er muss in erster Linie seine theoretischen und administrativen Kenntnisse ergänzen, die für die HU-Durchführung wichtig sind, zum Beispiel die Inhalte der Verordnungen und Richtlinien zur Genehmigung und Zulassung. Umgekehrt sieht die Zusatzausbildung für Prüfingenieure hauptsächlich praktische Elemente vor, denn der Prüfingenieur kommt ja in der Regel von der Hochschule. Wer Gleiches macht, muss auch Gleiches können. In unserem Konzept machen wir den Kfz-Meister durch Zusatzqualifikation zum HU-Prüfmeister. Zudem wollen wir nach Fahrzeugklassen getrennt ausbilden. Diese Spezialisierung wird die Prüfqualität nochmals steigern.
 
Wo sollten die künftigen Prüfmeister denn die Schulbank drücken, etwa bei der TAK?

Erst wenn der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen festgelegt hat, kann man diese Fragen in der Praxis beantworten. So weit ist es noch nicht. 

Der Prüfer vom TÜV kann auch Lkw und Motorräder prüfen. Soll der Kfz-Meister das nach Ihrem Konzept auch können? 

Nein. Wir trennen das. Das heißt, der Lkw-Mann prüft Lkw, der Pkw-Mann prüft Pkw. Das steigert die Prüfqualität und somit die Verkehrssicherheit. Denn ich glaube nicht, dass jemand von der  Sachverständigenorganisation nach seinem achtmonatigen Kurs gleich einen ‚40-Tonner’ prüfen kann. Aber ich bin sicher, dass der Kfz-Meister, der frisch von der Schulbank kommt, einen solchen Lkw aufgrund seiner Praxiserfahrung sofort prüfen kann, schließlich macht er das heute schon, beispielsweise bei der Sicherheitsprüfung für Lkw.

Wie erklären Sie sich, dass viele Werkstätten und Kfz-Meister die HU nicht haben wollen? Bei einer Umfrage von Krafthand-Online waren zwei Drittel der Teilnehmer dagegen.

Ablehnung gegenüber Neuem ist oft zu beobachten. Als die ersten Mechatroniker auf den Markt kamen, haben viele Werkstätten gesagt: Den Beruf wollen wir nicht. Heute ist er Beruf aufgrund der technischen Weiterentwicklung des Automobils gar nicht mehr wegzudenken. Und ich betone: Wir wollen ja keinen Werkstattinhaber zwingen, die Meister-HU einzuführen. Jeder Betrieb soll das wählen, womit er glücklich ist.

Weit verbreitet ist ja die Meinung, dass die Meister-HU nur den großen Werkstätten nutzt.

Das sehe ich anders und gebe Ihnen zwei Beispiele. Ein kleiner Betrieb lässt die HU von anderen machen, weil er keine Zeit dafür hat. Das ist zu respektieren. Der andere Betrieb sagt: Wir haben wöchentlich einige HU-Kunden, die zeitlich sehr verstreut kommen. Der Prüfer muss jeweils extra anreisen. Unter Umständen wurde bereits eine Inspektion an dem Fahrzeug gemacht. Dann muss der Wagen einen Tag stehen, weil der Prüfer erst am nächsten Tag kommt. Dies alles kostet insbesondere den Kunden Zeit und Geld. Nun sagt der Betrieb: Wir möchten flexibel sein und die HU selber machen. Ich verspreche Ihnen: Viele kleine Betriebe würden ganz schnell das Schild der „Meister-HU“ am Eingang haben wollen. Das habe ich bereits bei der AU erlebt.

Wie lange dauert denn der Lehrgang für den Prüfmeister? In der Branche ist die Rede von zwei Monaten.

Unser Vorschlag sieht vor, dass die spezialisierten Zusatzqualifikationen für die Bereiche Pkw oder Nfz jeweils zwei Monate dauern. Hierbei setzen wir allerdings voraus, dass der zukünftige HU-Meister über eine gültige AU-, GAP- und gegebenenfalls SP-Schulung verfügt.

Ist ein Meistertitel notwendig, um die Ausbildung zum Prüfmeister zu absolvieren oder ist dies auch für den Kfz-Mechatroniker möglich?
 
Wir wollen, dass Kfz-Meister mit der Zusatzqualifikation die Berechtigung erhalten, die HU durchzuführen. Kfz-Mechatroniker, die als Fachkräfte oder als Prüfassistenten die HU durchführen, wollen wir nicht.

Sehen Sie ein Problem darin, dass die Werkstatt im Rahmen der Meister-HU nun selbst beurteilt, ob ein Wagen in Ordnung ist oder nicht?

Nein. Dieselbe Situation gibt es doch täglich auch bei der Inspektion. Wenn der Kunde einer Werkstatt nicht vertraut, geht er in eine andere. Glaubt er der Werkstatt bei der Meister-HU nicht, kann er ja zum Prüfinstitut gehen. Die Wege bleiben ihm offen. Doch 80 Prozent der Kunden geben ihr Fahrzeug zur HU in die Werkstatt. Das beweist, die Kunden vertrauen den Werkstätten. Die Prüforganisationen fahren zur HU in die Werkstätten, nicht umgekehrt. Was bei der SP selbstverständlich ist, funktioniert auch bei der HU. Auch wenn es in den Vorschriften zur HU-Durchführung nicht vorgesehen ist, fragen Prüfingenieure bei bestimmten fahrzeugspezifischen Mängeln heute oftmals den Werkstattmeister nach seiner Fachmeinung zur Mängeleinstufung.

Werden Sie Preisempfehlungen an die Werkstätten für die HU aussprechen?

So weit sind unsere Überlegungen noch nicht gediehen. Hier sind verschiedene Modelle denkbar. Wenn erst die HU-Prüfung gemacht wird und dann die Inspektion, sind in den Prüfumfängen möglicherweise schon einige Punkte enthalten, die auch bei der Inspektion relevant sind. Insofern könnte sich für die Inspektion ein Preisvorteil für die Verbraucher ergeben.

Der Bund-Länder-Fachausschuss hat vor kurzem „nein“ zur HU gesagt. Wie kam's dazu?

Wir waren beim Bund-Länder-Fachausschuss, durften präsentieren und haben auch Beachtung gefunden. Der Fachhausschuss hat ja nicht das Konzept abgelehnt, sondern gesagt: Wir wollen es derzeit nicht umsetzen. 

Wie machen Sie jetzt weiter?

Wir werden unser Konzept weiter verfeinern und auf allen relevanten Ebenen – in Verbänden und Politik, in Berlin und Brüssel – dafür werben. Wir konnten nicht erwarten, dass die Meister-HU bereits nach nur einem Jahr Realität wird. Das Bohren dicker Bretter benötigt Zeit, und die nehmen wir uns.
 
Herr Hülsdonk, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Ralf Lanzinger.

Von: rla

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